Auf bald im Wald
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Ab in die Wildnis – W-LAN mal ganz anders

Traumwald 1

Traumwald 1Ihr Kind, allein oder mit Freunden im Wald – für viele Eltern heute ein Graus. Angst vor Entführung oder anderen schlimmen Gefahren, die drohen könnten. Dann das Kind lieber kontrolliert im Garten, auf der Liege, sitzend und mit der Spielekonsole spielen lassen. Immer im Blick, damit größtmögliche Sicherheit herrscht. Aber wie war das früher, als ich noch Kind war? [Ein Kommentar von Thomas Kerscher, Herausgeber waldliebhaber.de]

Rückblick in meine Kindheit:

Was hatte ich mir nicht alles an Schrammen und Blasen zugezogen! Wie dreckig bin ich oft nach Hause gekommen, verfolgt von der Angst, meine Mutter würde sich – zu Recht – beschweren, schon wieder die Waschmaschine anwerfen, oder gar meine zerrissenen Hosen oder Jacken reparieren zu müssen.

Und trotzdem, trotz der Schimpfe und des schlechten Gewissens: Es zog mich als Kind, bis weit ins Teenager-Alter, fast täglich hinaus in den nahegelegenen Wald.

Zurück in die Gegenwart:

„Ich hasse Grundfarben!“ sagt das Mädchen am Nachbartisch. Ich sitze im ICE und schreibe gerade an diesem Beitrag, als ich die Aussage des Kindes vernehme. Ihre beiden Schwestern starren ohne eine Regung weiter in ihre Smartphones. „Mama. Bitte, gib mir das Tablet, du hast doch das Tablet eingepackt.“ Ich erschrecke.

Wie war das früher noch?

 - TannenFrüher hatten wir kein Smartphone, wir hatten keine Spielekonsole und keinen PC. Als ich noch Kind war, gab es selbst im Fernsehen wenig für uns Kinder, um fern zu sehen. Erst spätnachmittags überhaupt Programm, ganze zwei Sender, wie herrlich – so sehe ich das heute – war die Zeit für uns damals! Ich denke viel daran zurück. Selbst der ´Heckenbusch´ – so hieß er tatsächlich – eine nahe dem Wald als Windschutz für ein davor liegendes Feld angelegte Ansiedlung kleinwüchsiger Bäume und Büsche, übte eine große Faszination und Anziehungskraft auf meine Freunde und mich aus. Wir kletterten auf die – kleinwüchsigen – Bäume des Heckenbuschs, um aus dieser Höhe nach ´feindlichen Indianern´ oder anderen ´virtuellen oder tatsächlichen Gebietsrivalen´ Ausschau zu halten.

Wir gruben im Erdboden des Heckenbusches und oft waren wir bei der Schatzsuche erfolgreich. Die Beute: Verzinkte Löffel, durchgerostete Dosen und sogar tierische Gebisse. Nachdem der ´Schatz´ versteckt war, ging es dann weiter den Feldweg entlang bis zum Rand des Waldes, um sogleich in seine Dunkelheit einzutauchen.

Angst? Nein, Respekt!

 - NadelwaldAngst? Nein, Angst, hatten wir nicht. Respekt und gesunde Vorsicht vor möglichen Gefahren, das wären schon eher die Begriffe für das Gefühl, das mich damals beseelte. Respekt vor den Geheimnissen und den Gesetzen der Natur. Vor dem Pfeifen des Windes in den Wipfeln der Bäume. Vor dem Rufen der vielen – fast immer zuerst für uns unsichtbaren – Vögel des Waldes. Erst wenn ich eins wurde mit dem Wald, dann sah ich sie und die ganze Schönheit des lebenden ´Klein-Universums´ um mich herum. Der Duft, die Laute, die Stille. Die Weichheit des Waldbodens, das Knacken der Ästchen unter unseren Schuhen. Das Gefühl, das ich hatte, wenn ich kurzerhand die Schuhe auszog und barfuss den Boden erkundete.

Unterversorgung trotz Überfluss

Viele Kinder in der heutigen Zeit haben im Überfluss zu Essen, aber sie verhungern gewisserweise trotzdem. Sie haben genug zu trinken, aber sie verdursten regelrecht. Ihre Seelen verhungern, da ihnen die natürliche Umgebung fehlt. Ihre Sehnsüchte verdursten, vertrocknen, da Ihnen der Raum fehlt, in dem sie ihr Herz öffnen könnten. Öffnen für die Schönheit der Schöpfung, öffnen für die Geheimnisse der Natur, Öffnen für das Funktionieren des Lebens. Das Wissen und die Gewissheit um das Vergehen der Tiere und Pflanzen und das neue Leben, das wiederum daraus erwächst. Den Kindern fehlt vielfach das Erleben der Umgebung, der Natur, der Wildnis, aus der wir Menschen ja eigentlich aus früheren Zeiten herkommen.

´Grüne Lunge´

Kein noch so durchdachter pädagogischer Lehrplan kann meiner Meinung nach die erlebten Lehren der Natur auch nur ansatzweise ersetzen. Kinder brauchen keine Steckdosen zum Erwachsen-werden, geschweige denn zum ´Überleben´ in der Gesellschaft. Nein, gerade unsere Kinder brauchen die Erlebnisse der Naturerfahrung. Sie brauchen den Lebensspender Wald als im wahrsten Sinne ´Grüne Lunge´ des Menschen.

Und wenn schon W-LAN, dann auch mal anders: Wald-Laufen, Atmen, Nutzen

Ab in die Wildnis und auf bald im Wald 2014!

In diesem Sinne: Alles Gute für das Neue Jahr, Glück und Gesundheit wünschen Ihnen und allen unseren vielen treuen Leserinnen und Lesern

Ihr
Thomas Kerscher und sein Team von Waldliebhaber.de

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