Wald und Gesundheit
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Ab in die Wildnis – W-LAN einmal anders [Ein Kommentar von Thomas Kerscher]

Ihr Kind, allein oder mit Freunden im Wald. Für viele Eltern heute ein Graus. Angst vor Entführung oder anderen schlimmen Gefahren, die im Wald drohen. Dann das Kind lieber kontrolliert im Garten, auf der Liege, sitzend und mit der Spielekonsole spielen lassen. Immer im Blick, damit größtmögliche Sicherheit herrscht.

Was hatte ich mir nicht alles an Schrammen und Blasen zugezogen. Wie dreckig bin ich fast immer nach Hause gekommen, verfolgt von der Angst, meine Mutter würde sich – zu recht – wieder beschweren, schon wieder die Waschmaschine anwerfen, oder gar meine zerrissenen Hosen oder Jacken reparieren zu müssen.

Und trotzdem: Es zog mich als Kind, bis weit in´s Teenager-Alter, fast täglich hinaus in den nahegelegenen Wald.

„Ich hasse Grundfarben.“ sagt das Mädchen am Nachbartisch. Ich sitze im ICE und schreibe gerade an diesem Beitrag, als ich die Aussage des Kindes vernehme. Ihre beiden Schwestern starren ohne eine Regung weiter in ihre Smartphones. „Mama. Bitte, gib mir das IPad, Du hast doch das Ipad eingepackt.“ Ich erschrecke.

Kein Smartphone, keine Spielekonsole, kein PC. Als ich noch Kind war, gab es selbst im Fernsehen wenig für uns Kinder fern zu sehen. Erst spätnachmittags überhaupt Programm, ganze zwei Fernsehsender, wie herrlich war die Zeit für uns Kinder damals! Ich denke viel daran zurück.

Selbst der ´Heckenbusch´, so hieß er tatsächlich, eine nahe dem Wald, als Windschutz für ein davor liegendes Feld, angelegte Ansiedlung kleinwüchsiger Bäume und Büsche, übte eine große Faszination auf meine Freunde und mich auf. Wir kletterten auf die -kleinwüchsigen – Bäume dieses Busches, um aus dieser Höhe nach ´feindlichen Indianern´ oder anderen ´virtuellen oder tatsächlichen Gebietsrivalen´ Ausschau zu halten.

Wir gruben im Boden des Heckenbusches und oft waren wir erfolgreich.Die Beute: Verzinkte Löffel, auf halb-durchgerostete Dosen und sogar tierische Gebisse. Dann ging es weiter den Feldweg entlang bis zum Rand des Waldes, um sogleich in seine Dunkelheit einzutauchen. Angst? Nein, Angst, hatten wir nicht. Respekt, das wäre schon eher der Begriff für das Gefühl, das mich damals beseelte. Respekt vor den Geheimnissen und den Gesetzen der Natur. Vor dem Pfeifen des Windes in den Wipfeln der Bäume. Vor dem Rufen der vielen – fast immer zuerst für uns unsichtbaren – Vögeln des Waldes. Erst wenn ich eins wurde mit dem Wald, dann sah ich sie und die ganze Schönheit des lebenden ´�Klein-Universums´ um mich herum. Der Duft, die Laute, die Stille. Die Weichheit des Waldbodens, das Knacken der Ästchen unter unseren Schuhen. Das Gefühl, das ich hatte, wenn ich kurzerhand die Schuhe auszog und barfuss den Boden erkundete.

Ihr Kind, allein oder mit Freunden im Wald. Für viele Eltern heute ein Graus. Angst vor Entführung oder anderen schlimmen Gefahren, die im Wald drohen. Dann das Kind lieber kontrolliert im Garten, auf der Liege, sitzend und mit der Spielekonsole spielen lassen. Immer im Blick, damit größtmögliche Sicherheit herrscht.
 
Viele Kinder in der heutigen Zeit haben im Überfluss zu Essen, aber sie verhungern trotzdem. Sie haben genug zu trinken, aber sie verdursten. Ihre Seelen verhungern, da ihnen die natürliche Umgebung fehlt. Ihre Sehnsüchte verdursten, vertrocknen, da Ihnen der Raum fehlt, in dem sie ihr Herz öffnen können. Öffnen für die Schönheit der Schöpfung, öffnen für die Geheimnisse der Natur, Öffnen für das Funktionieren des Lebens. Des Vergehens der Tiere und Pflanzen und das neue Leben, das wiederum daraus erwächst. Den Kindern fehlt das Erleben der Umgebung, aus der wir Menschen eigentliche herkommen.

Kein noch so durchdachter pädagogischer Lehrplan kann meiner Meinung nach die Lehren der Natur auch nur ansatzweise ersetzen.

Kinder brauchen keine Steckdosen zum Erwachsenwerden, geschweige denn zum Überleben. Nein, Kinder brauchen die Natur, brauchen den Lebensspender Wald, im wahrsten Sinne die Grüne Lunge des Menschen.

Wenn schon, dann W-LAN mal anders: Wald-Laufen, Atmen, Nutzen

Ab in die Wildnis und
Auf bald im Wald

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