Wald und Gesundheit
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„Eine Zeckenlarve kommt selten allein“: Im Gespräch mit dem Zeckenforscher Werner Johansson

Johansson

JohanssonIn schöner Regelmäßigkeit erreicht uns jedes Jahr das Thema „Zecke“, verbunden mit einer Warnung vor der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME)“. So auch in diesen Tagen. Demnach hat die FSME-Saison nach dem langen Winter und trotz des vielen Regens schnell wieder aufgeholt. Menschen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen und sich häufig draußen aufhalten, wird nach wie vor eine Impfung empfohlen. Gegen eine andere große Zeckengefahr, die Borreliose, gibt es dagegen bis heute keinen vorbeugenden Schutz. Der ehrenamtliche Zeckenforscher Werner Johansson aus der Nähe von Augsburg hat die Aufklärung über die Vorbeugung von Zeckenstichen zu seinem Lebensthema gemacht. Wir führten mit ihm ein Gespräch über seine neuesten Forschungen und wichtigsten Empfehlungen für den Wald.

 

Waldliebhaber.de: Herr Johansson, zunächst – warum stehen eigentlich immer die Warnungen vor FSME im Fokus der Berichterstattung, weniger die über die Borreliose?

Johansson: Der Schein trügt vielleicht. Den anderen, von Zecken übertragenen Krankheiten wie der Borreliose wird tatsächlich etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt – allerdings immer noch viel zu wenig. Das liegt auch an dem Berichten über FSME selbst, eine Krankheit, die man sicher nicht verharmlosen darf. Die Wahrscheinlichkeit aber, Borreliose oder andere Krankheitserreger über die Zecke zu bekommen, ist wesentlich höher und keinesfalls ungefährlicher: ich gehe von jährlich 1,6 Millionen Neuerkrankungen in Deutschland allein bei der Borreliose aus, das sind keine Peanuts.

Waldliebhaber.de: Woran arbeiten Sie im Moment besonders?

Johansson: Ich bin gerade dabei, die besten Ärzte und Heilpraktiker an einen Tisch zu bekommen, um Erfahrungen über verschiedene Borreliose-Therapien und Diagnosen untereinander auszutauschen. Es geht mir vor allem darum, den Menschen praktische Tipps an die Hand zu geben, damit sie einen Zeckenstich von vorne herein vermeiden können. Mich beschäftigt also vor allem die Borreliose-Prophylaxe und natürlich auch die Vorbeugung gegen die anderen, teilweise kaum erforschten Erreger.

Waldliebhaber.de: Welche neuen Erkenntnisse haben sie in letzter Zeit gewonnen?

Johansson: Ich habe die bundesweiten Wetterdaten mit den hiesigen Zecken-Aktivitäten verglichen. Meine Erkenntnis: Wenn die durchschnittliche nächtliche Temperatur zwischen sieben und acht Grad liegt, beginnen die Zecken damit, vierundzwanzig statt zwölf Stunden am Tag aktiv zu sein. Also Tag und Nacht – ab da sollte man besonders aufpassen. Entscheidend für die Aktivität der Zecke ist übrigens nicht die Außentemperatur, sondern deren eigene Körpertemperatur. Von der Sonne aufgewärmt, können die Zecken deshalb auch im Winter noch zur Gefahr werden.

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